Wohin mit der ganzen Wärme?

23. Oktober 2020 | Chefredakteurin der "Verfahrenstechnik" zu Besuch bei FUNKE

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Gronau - In der aktuellen Ausgabe der Verfahrenstechnik 10/2020 berichtet die Chefredakteurin Eva Linder über Ihren Besuch bei FUNKE in Gronau. Im Gespräch mit Geschäftsführer Peter Streit und Vertriebsleiter Jörg Hinz geht es um die Kundenorientierung bei FUNKE, die optimierten Prozesse, die neuen Produkte und das Thema Energiewende.

Hier der Bericht:

Wohin mit der ganzen Wärme?

Platte oder Rohrbündel: Maßgeschneiderte Wärmeübertrager

 

  • Rohrbündelproduktion

    Bei den Rohrbündel-Wärmeübertragern werden bis zu 700 Rohre im Rohrboden von Hand eingesteckt und verschweißt.

  • Plattenproduktion

    Es gibt ca. 800 verschiedene Plattentypen, die bei den Wärmeübertragern zum Einsatz kommen.

Ein Wärmeübertrager ist ein Apparat, der Wärme von einem Medium auf ein anderes übertragen kann. Wie viel Know-how in der von außen eher unspektakulär aussehenden verfahrenstechnischen Komponente steckt, erfuhren wir bei einem Besuch der Firma Funke in Gronau.

Wenn man in Banteln in Niedersachsen aus dem Zug steigt, um mit dem Taxi nach Gronau an der Leine weiterzufahren, rechnet man nicht damit, am Ende der Reise bei einem internationalen Unternehmen mit 280 Mitarbeitern zu landen: Die Firma Funke ist einer der führenden Hersteller von Wärmeübertragern, die für Kunden in den Branchen Chemie, Pharma und Food, aber auch zunehmend im Energiebereich produziert werden.

Bei dem Rundgang durch die Produktion des Unternehmens, das 1974 von Karl-Heinz Funke gegründet wurde, fällt so-fort auf, dass hier keine Massenware hergestellt wird. Überall wird an einzelnen Bauteilen fast schon liebevoll geschraubt und lackiert. Dazu Geschäftsführer Peter Streit: „Unsere Mitarbeiter sind ein wesentliches Standbein unserer Qualitätspolitik. Mit hoher fachlicher Expertise in allen Unternehmensbereichen und einer innovativen Forschungs- und Entwicklungsabteilung untermauern wir unseren Anspruch, hochwertige Qualitätswärmeübertrager zu liefern. Wir setzen auf kundenspezifische und individuelle Lösungen und sind stolz auf unsere Produktqualität ‚Made in Germany‘“. Den Anfang machte Karl-Heinz Funke vor mehr als 45 Jahren mit kleinen Rohr-bündel-Wärmeübertragern. Mittlerweile gehören gedichtete und gelötete Plattenwärmeübertrager, Rohrbündel-Wärmeübertrager und Standard-Industriewärmeübertrager zum Produktportfolio. Pro Jahr werden 1000 Tonnen Stahl verarbeitet. Die Kunden sind in den Bereichen Heizungs-, Klima- und Lüftungstechnik, Hydraulik, Chemie, Petrochemie, Prozessgastechnik und Schiffbau zu finden. Mit der Produktion von Sicherheits-Wärmeübertragern oder Sterilgeräten gemäß FDA-Standard werden Nachfragen aus der Pharma- und Nahrungsmittelindustrie bedient. Momentan liegt der Kundenfokus stark auf dem Thema Energiewende mit den wachsenden Märkten Geothermie, Power-to-x, Speicherung und Transport, CNG/LNG und H2.

Optimierte Prozesse

„Wir orientieren uns sehr stark an den Problemen unserer Kunden und diskutieren mit ihnen über eine Optimierung des Prozesses. Am Ende bekommt jeder seine maßgeschneiderte Lösung“, so Vertriebsleiter Jörg Hinz. Die Seriengeräte werden in modularer Systembauweise gefertigt, sämtliche inter-nationale Standards und Normen werden erfüllt. Hinz bestätigt: „Wir können unsere in Deutschland produzierten Wärmeübertrager in jedes Land liefern, weil wir mehr als 22  Zertifikate haben. Das ist zwar sehr aufwändig, wird aber vom Kunden gefordert.“ Durch die Einführung von Lean Production wurden die Liegezeiten reduziert und die Produktionskapazität um 25 % er-höht. Das Thema Instandhaltung spielt bei den Funke-Wärmeübertragern kaum eine Rolle: „Rohrbündel-Wärmeübertrager gehen nie kaputt“, versichert Hinz.

Die internationale Funke Gruppe hat weltweit 450 Mitarbeiter, produziert wird in Deutschland mit 280 Mitarbeitern, weitere Produktionsstätten sind in China, Indien und Russland. Durch internationale Tochterunternehmen und Vertriebspartner ist das Unternehmen in 39 Ländern vertreten. Hinz ergänzt: „Wir liefern alles aus einer Hand – von der umfassenden Beratung bis zum perfekten Service. Und wir setzen auf innovative Klasse statt auf standardisierte Masse.“ 45  Ingenieure kümmern sich bei Funke um das Engineering und die optimale Auslegung der Wärmeübertrager. Dazu Peter Streit: „Unsere Mitarbeiter bringen sehr viel Leidenschaft und Engagement mit und durch unsere kurzen Entscheidungswege sind wir sehr flexibel.“

20 % effizienter

Im Juli führte Funke zwei neue Plattenserien ein. Ziel war eine Verbesserung der Performance in den Be-reichen Wärmeübertragung und Druckverlust. Gleichzeitig lag die Herausforderung darin, den Kundenwunsch nach einer gleichen Geometrie der Platten zu erreichen, um auch bestehende Gestelle der Plattenwärmeübertrager mit der neuen Plattengeneration nutzen zu können.

Hinz erzählt: „Für die Hauptanwendungsgebiete und Stabilitätskriterien der neuen Serien wurden die Abstützungspunkte der Platten und Dichtungen untereinander stabilisierender angeordnet, auch die Abstimmung der Geometrien von Prägetiefe, Wellenlänge und Wellenwinkel zur Steigerung der Performance wurde optimiert. Die Reduzierung von Bypässen und Toträumen half dabei, die gesteckten Ziele zu erreichen.“

Am Prüfstand wurden verschiedenste Prüfungen und Tests durchgeführt, und das Ergebnis überzeugte: Die Druckstabilität ist sehr gut, die Performance hat sich bis zu einem zweistelligen Prozentsatz verbessert, und alle simulierten Werte wurden vollumfänglich erreicht. Dazu Geschäftsführer Peter Streit: „Mit den neuen Plattenserien bieten wir Wärmeübertrager auf dem aktuellen technologischen Standard an und freuen uns, wenn wir durch diese Weiterentwicklung gemeinsam mit dem Kunden Erfolg haben.“

(eli)
Fotos: d1sk/stock.adobe.com, Funke, Eva Linder

Laden Sie den originalen Bericht aus der Verfahrenstechnik 10-2020 hier herunter.

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